Wiederbelebung oder Todesstoß?

Posted on März 28, 2009 | Category: Politik | 814 Views

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© dpa - Barack Obama

Obama, Hoffnungsträger der Nation
Während dem Wahlkampf machte sich Barack Obama nicht nur in Amerika beliebt, sondern faszinierte Menschen rund um den Globus mit seinem Auftreten. Seine Austrahlung und seine Worte gaben Hoffnung. Hoffnung, die viele Menschen dringend brauchten. In seinen zahlreichen Reden sprach er über die Abschaffung des Gefangenenlagers Guantanamo, über den Abzug der vor Jahren ausgesandten Soldaten und über das was Amerika hören wollte, genau das Gegenstück zur Bush-Politik. Dennoch hatten sich weder McCain, noch Obama zum Beginn ihres Wahlkampfes ausgemalt, dass sie ihre Themen im Prinzip über den Haufen werfen können, da ein viel größeres Problem auf sie zukommen würde. Die Immobilienkriese, die 2007 mit Rückzahlungsunfähigkeit von Krediten begann, entwickelte sich über das Jahr 2008 hinweg zu einer weltweiten Finanzkrise - Banken, Firmen und Länder sind pleite. Und nun?

Fiskalpolitik als Wundermittel in der Krise?
Barack Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem Land das pleite ist und trotzdem will der erste farbige Präsident in der Geschichte Geld ausgeben. Er betreibt Fiskalpolitik und verabschiedet ein Konjunkturpaket in Höhe von 825 Milliarden US-Dollar, trotz 1,5 Billionen US-Dollar Schulden - Geld das momentan nicht zur Verfügung steht, aber das ist eigentlich egal. Da die geplanten Finanzspritzen nicht alle zur selben Zeit verabreicht werden, sondern in bestimmten Teilen und Abständen, braucht das Geld gar nicht in seiner gesamten Summe zur Verfügung zu stehen, sondern immer nur der Betrag der gerade wirklich ausgegeben werden soll. Dennoch lässt das die Kritiker nicht verstummen, denn seine Investitionspolitik birgt auch starke Risiken. Denn wer garantiert, dass nicht 825 Milliarden US-Dollar in ein Fass ohne Boden geworfen werden? Natürlich niemand. Einzig und allein der Glaube daran, dass es funktionieren könnte, lässt die Amerikaner weiterhin hoffen.

Die Ziele, die Obama mit seinen Scheinchen erreichen will und auch glaubt zu können, sehen auf dem Papier teilweise zweifelhaft aus. Eine Investion von 90 Milliarden US-$ in die Infrastruktur kann einerseits auf längere Zeit gesehen eine weitere Anreise zur Arbeitsstelle möglich machen, andererseits muss man eines klar sagen: Wohin soll ein US-Bürger fahren, wenn es keine Arbeitsplätze gibt? Aber auch dem Problem hat Obama eine Lösung entgegenzusetzen, denn er plant Arbeitsplätze zu subventionieren. Rund 100 Milliarden US-$ stehen nämlich für den Arbeitsmarkt auf dem Programm. Der Plan der dahinter steckt sieht vor, dass die Amerikaner ihr Geld direkt wieder ausgeben und somit die Wirtschaft unterstützen bzw. wieder ankurbeln. Doch was passiert, wenn der Plan in die Hose geht und die Amerikaner das Geld sparen, anstatt es auszugeben? Die realistische Frage, die sich da stellt, lautet doch “Wieso sollte ich mein Geld direkt wieder ausgeben, wenn ich doch froh bin, dass ich endlich wieder etwas habe? Gerade in so schwierigen Zeiten, kann ich mir nicht sicher sein, dass ich meinen Job, Haus und andere Habseligkeiten behalte”.

Probleme kann es ebenfalls bei der Subventionierung von Firmen geben, denn auch da kann sich das Fass ohne Boden auftun. Zudem muss damit gerechnet werden, dass wenn ein Unternehmen finanziell unterstützt wird, andere Unternehmen ebenfalls Gelder einfordern. Das Druckmittel, um Geld zu erhalten ist in Form der Arbeiter jedenfalls gegeben. Erhält eine Firma nicht die geforderten Subventionen, droht sie einfach mit Massenkündigungen. Bei Großunternehmen hätte das einen massiven negativen Einfluss auf die Arbeitslosenquoten, die bereits jetzt schon auf Rekordhöhe liegen. Ein weiteres Druckmittel, welches einigen einflussreichen Managern bedeutsamer Firmen zu zutrauen wäre, wäre die Selbstschädigung des Unternehmens. Diese Variante ist ganz klar riskant, aber in der heutigen Zeit nicht wirklich undenkbar.

Alle Macht dem Staate?
Eine große Frage, die sich in einer wirtschaftlichen Krise immer wieder gestellt hat und sicherlich auch weiterhin stellen wird, ist die Frage, ob der Staat in die Ökonomie eingreifen darf bzw. soll - und wenn, in welchem Ausmaß. Die goldene Regel “der Markt regelt sich von selbst” wäre dann hinfällig, sofern ein Eingreifen seitens des Staats notwendig wird. Klare Vorteile hätte eine Verstaatlichung von Banken und Betrieben, da die Manager dieser dann auf die Straße gesetzt und keine Millionen mehr einstecken würden. Fehlinvestitionen o.Ä. würden die Banken dann selbst tragen müssen, allerdings stünde dann alles unter der Kontrolle eines Organs, was in einer besseren Struktur resultieren würde. Probleme würden sich bei der Regulierung des Marktes auftun und es stellt sich dann die Frage, ob diese dann akzeptiert würden.

Müllschlucker-Idee für schlechte Wertpapiere
Obamas Idee, die schlechten und gefährdeten Papiere vom Markt zu nehmen heisst “Bad Bank” (dt. “schlechte Bank”). Hinter diesem Begriff verbirgt sich der Gedanke, eine Institution zu gründen, die alle dubiosen Aktien, Kredite und sonstige Investmentgeschäfte aufkauft. Ein positives Resultat wäre eventuell, dass die gefährlichen Papiere vom Markt verschwinden und die Banken beginnen sich wieder zu trauen. Das hätte die Folge, dass der Handel zwischen den Banken wieder anlaufen würde. Allerdings gibt es auch hier, wie bei fast jedem Konzept, Kritikpunkte. Der US-amerikanische Professor für Wirtschaftslehre, Paul Krugman, warnt vor der Einführung von einer “Bad Bank”. Er sieht eine solche Einrichtung als ein zu hohes Risiko für den Staat. Der ausschlaggebende Punkt liegt bei den Verantwortlichen der Banken, denn selbst wenn eine “Bad Bank” alle schlechten Wertpapiere kauft, so bleiben die Verantwortlichen der Banken und Kreditinstitute doch die selben. Die Manager bleiben und somit auch die gleiche Richtung in der die Banken agieren. Damit würde das Risiko lediglich auf den Staat übertragen werden, aber die Manager der Banken könnten weiter mit Geld um sich werfen und Fehlinvestitionen ohne Ende tätigen. Das Risiko müssten sie ja dann nicht einmal mehr selbst tragen, sondern sie könnten sich sicher sein, dass die “Bad Bank” ihre Fehler wieder gerade biegt. Zu guter letzt wäre da noch die Finanzierung, denn die Frage, wieviel ein solches Unterfangen kostet, ist noch nicht klar.

Obamas Divise: Alles oder nichts
Barack Obama liefert einige Ansätze, die Krise zu überstehen und sie eventuell sogar zu meistern. Das Problem dabei ist nur, dass seine Lösung von riskant bis hin zu unvorstellbar reichen und niemand genau weiss, wie das zukünftig wirklich umgesetzt werden soll - außer vielleicht er selbst. Sicher ist, dass die göttliche Vorstellung eines Obama, die viele während seinem Wahlkampf bekommen haben, jetzt langsam wankt, da man merkt, dass auch nicht alles stimmt und genau so eintritt wie Obama es zuvor angekündigt hat. Das beste Beispiel dafür ist wohl das kürzlich verabschiedete Konjunkturpaket, denn die vorgegebenen Zahlen wurden keineswegs eingehalten. Nun kann sich ein Jeder die Frage stellen, ob es Obama gelingt, das einst mächtigste Land unseres Planeten wieder zu richten oder nicht. Zumindest eine Antwort auf diese Frage steht zum jetzigen Zeitpunkt schon fest, denn würde man Obama selbst die Frage stellen, würde sagen: “Yes, we can!”

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2 Responses to “Wiederbelebung oder Todesstoß?”

  1. Marcel Says:

    Schöne Ansicht, aber an einen Todesstoß kann man eigentlich nicht glauben, es ist einfach nicht vorstellbar!

  2. Lennart Says:

    lol… wenn du das auf die hälfte kürzt ist es das, was wir seinerzeit der dost und der brenscheid um die ohren gehauen haben^^

    @Marcel: todesstoß nicht vorstellbar… wer pleite ist und keine handelspartner mehr hat ist wirtschaftlich eigentlich ziemlich tot. jedenfalls meinte prof. dr. dr. dr. dost das so… frag benni ;)

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